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Berlin Zoologischer Garten – Berlin Ostbahnhof,
4.10.1998
Länge 14’30’’



C-print, Diasec, 87x134cm



C-print, Diasec, 87x134cm

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Herne-Wanne Eickel, 21.8.1999 und 22.8.1999
Länge jeweils 4’10’’
Napoli – Roma, 1996
Die Geschwindigkeit macht das Sehen zum Rohstoff, mit zunehmender Beschleunigung
wird das Reisen zum Filmen: es erzeugt nicht so sehr Bilder als vielmehr unglaubliche
und übernatürliche Erinnerungsspuren", bemerkt Paul Virilio
in der "Ästhetik des Verschwindens" zur medialen Neuorganisation
der Wahrnehmung in der motorisierten Welt.(1)
Siegrun Appelt setzte sich am 24. September 1996 in den Schnellzug von Neapel
nach Rom und filmte den Ausblick aus dem offenen Zugfenster mit einer auf
einem Stativ fest justierten Videokamera - keine Schwenks, keine Schnitte,
die Brennweite des Objektivs auf Unendlich fokussiert. Gefilmt wurde quasi
ohne manipulativen Eingriff zu den Bedingungen der technischen Apparatur.
Auf diese Weise entstanden bewegte Landschaftsbilder in der Optik eines »apparativen
Blicks« (Virilio), die das menschliche Auge so nicht wahrzu-nehmen vermag:
Je schneller der Zug fährt, desto mehr verschwimmt der Ausblick zur abstrakten
Farbspur, lösen die Bewegungsvektoren jede bewusste Wirklichkeitswahr-nehmung
auf. Landschaftliche und architektonische Elemente wechseln sich in rascher
Folge ab, zu schnell, um einzelne Elemente zu identifizieren. Was bleibt,
sind differenzierte Farbwerte und chromatische Texturen mit ästhetischem
Eigenwert. Im Prozess der Ver-wandlung des gefilmten Außen in eine autonome
Farbstruktur gerät der Abbildcharakter sekundär, löst sich
die farbige Textur des Fensterausblicks von ihrem ursprünglichen Referenten.
Die Landschaft, auf ihre elementare Chromatik reduziert, verliert ihre Spezifität
zugunsten einer malerischen Oberflächenstruktur, steht in der dynamischen
Verzerrung aber auch sichtbar im Zeichen ihrer medialen Perzeption.
Die Mobilität organisiert so ihre eigene Wahrnehmung, bei der das Reisen zum Filmen wird, und die Beschleunigung die Landschaft zum Verschwinden bringt. Wenn die inszenierte Wahrnehmung des Außen als verschwimmender Farbraum an die Stelle der unmittelbaren Naturerfahrung tritt, muss jedoch auch das Wieder-Erkennen ersetzt werden durch das Wissen um das Reale im Stillstand, der optische Reiz des Videobildes ergänzt werden durch individuelle Erinnerungen. Denn das Kameraauge repräsentiert eine Wirklichkeit jenseits der konventionellen Seherfahrung des Zuschauers, eine reproduzierte Realität aus flüchtig aufblitzenden Fragmenten, die das Reale verschwinden lässt und Bilder ohne Erinnerungsspuren zum Vorschein bringt. Bei diesen Reisebildern gibt es kein Fernweh mehr, keinen sehnsüchtigen Blick aus dem Fenster; das Sehen ist zum reinen Substrat geworden, und das, was es wahrnimmt, scheint einer anderen Ordnung anzuge-hören. So verlagert sich die eigentliche Beschleunigung in den Raum der medialen Bilder: "Napoli-Roma" als Film in Echtzeit, aber eben doch nur als abstrakter Bilderfluss, als virtuelle Reise durch den von der Geschwindigkeit transformierten Vektorraum der Landschaften Italiens.
Vanessa Joan Müller (www.hartware-projekte.de)
>link:fkv
1 Paul Virilio: Die Ästhetik des Verschwindens,
Berlin 1986, S. 67
